Motivation
Als ehemalige
Leistungssportlerin, Triathletin und Ultralangstreckenläuferin
bin ich den Vorstoß in Grenzbereiche der menschlichen
Leistungsfähigkeit von meiner Jugend an gewohnt. Nach
Beendigung meiner leistungssportlichen Aktivitäten stand zwar
zunächst der Start ins Erwerbsleben im Vordergrund, jedoch
stellte ich schnell fest, daß neue Herausforderungen und
Grenzbelastungen in der täglichen Lebenswirklichkeit kaum zu
finden sind. Daher kam ich auf die Idee, auf Langstreckenradtouren
ferne Länder aller Kontinente zu erkunden. Es ist ganz
einfach: Man fährt an einem bestimmten Punkt los und bekommt
schon nach wenigen Kilometern ein völlig neues Gefühl
von Freiheit und Unabhängigkeit. Kein voller Terminkalender,
niemand macht einem Vorschriften, niemand drängelt, man kann
einfach fahren, Landschaft und Einsamkeit genießen und tun
und lassen, was man will.
Hinter jeder Biegung sieht die Landschaft anders aus,
Überraschungen und Risiken aller Art können einem
begegnen, man trifft auf menschenleere Landschaften bis zum Horizont.
Es ist faszinierend, zu beobachten, wie sich die klimatischen
Bedingungen unterwegs verändern, wenn man in andere Klimazonen
kommt. Die Pflanzenwelt verändert sich, man trifft auf
Tierarten, die man zu Hause nur aus dem Zoo kennt.
Es gibt Tage, da schiebt man eine ruhige Kugel, aber dann gibt es auch
solche, an denen man alle Register seines Könnens ziehen
muß, um den selbstgesteckten Anforderungen gerecht zu werden.
Wenn es an den ersten Tagen vielleicht noch nicht so richtig rund
läuft und besonders die längeren Steigungen wehtun,
stellt man schon bald einen Anpassungsprozess bei sich selber fest. Die
Strecken werden länger, die Bedingungen härter und
man fühlt sich immer leistungsfähiger. Ab und zu
macht man mal einen Ruhetag, um wieder neue Kräfte zu sammeln.
An den Abenden hat man genügend Zeit und Muße, nicht
nur die nähere Umgebung der Tagesziele zu Fuß zu
erkunden, sondern vielleicht auch über
Grundsätzliches im Leben nachzudenken und sich Notizen zu
machen. Am Ende ist man wie im Rausch, kaum zu glauben, was man
schaffen kann, wenn man nur jeden Tag ein kleines Stück des
Weges meistert.
